Maqui – Beere von Robinson Crusoe

Meuterei vor Más a Tierra

In Folge unüberbrückbarer Differenzen mit seinem Kapitän Thomas Stradling über die Seetüchtigkeit ihres Schiffes wurde Alexander Selkirk anno 1704 auf der Isla Más a Tierra, 416 Seemeilen vor der Küste Chiles inmitten des Südpazifiks ausgesetzt.

Spärlich ausgestattet mit seiner Muskete, etwas Schießpulver, einem Messer, einem Beil, Hafer und der Bibel war das eine ungünstige Ausgangssituation für Selkirk. Das Juan Fernandez Archipel, zu dem die Vulkaninsel gehört, gilt auch heute noch als abgelegen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts galt dies erst recht. Das unwirtliche Klima Patagoniens ist ohnehin sprichwörtlich.

Überraschenderweise gelang es Selkirk sich mit dem Unausweichlichen zu arrangieren. Offenbar erfreute er sich bester Gesundheit, war hart im Nehmen und verfügte über ausgezeichnete Resilienz. Aber er hatte auch Glück. Auf der Insel gab es Ziegen, die von Spaniern irgendwann hier ausgesetzt worden waren und sich vermehrt hatten. Sie lieferten Fleisch, Häute und Fell. Vor der Küste gab es Krustentiere und Langusten.

Abb.: Isla Màs a tierra – ChileMaqui – eine Powerbeere

Das feuchte und unwirtliche Klima der Insel ist auch heute noch geprägt von starken Winden. Doch aufgrund der großen Entfernung zum Kontinent wird das kalte subantarktische Wasser des Humboldt-Stroms, das ab der Küste Patagoniens entlang fließt, durch tropische Strömungen etwas gemildert, was je nach Jahreszeit zu Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad führt. Daher konnte sich auf der Insel ein einzigartiges Ökosystem entwickeln.

So standen Selkirk zudem unterschiedliche nahrhafte Pflanzen und Kräuter zur Verfügung, so auch die gesunde Maqui Beere. Und um diese kräftig gefärbte Blaubeere soll es hier gehen: Die Maqui-Beere, mit dem wissenschaftlichen Namen „Aristotelia Chilensis“ aus der Familie der Elaeocarpaceae.

Die Maqui-Beere wird regelmäßig im Kontext mit dem sogenannten ORAC-Wert erwähnt. Anhand dieses Parameters wird die oxidative Kapazität von Lebensmitteln gemessen. Er misst die Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren und möglicherweise gesundheitliche Ungleichgewichte zu mildern. Tatsächlich ist es die Maqui Beere, die im Vergleich zu anderen „Superfrüchten“ den höchsten ORAC-Wert (s. Abb.) ausweist und somit zu den reichhaltigsten Antioxidantienquellen zählt.

Die Maqui Beere enthält dreimal mehr Antioxidantien als Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren und Himbeeren. Sie stellt deshalb ein optimales Nahrungsmittel zur Erhaltung der Gesundheit dar.

Abb.: ORAC-Wert unterschiedlicher Früchte im Vergleich

Allerdings sagt der ORAC-Wert per se nichts über die Bioverfügbarkeit der antioxidativen Substanz im Körper aus. Früchte, die einen hohen ORAC-Wert vorweisen, sind nicht automatisch gesünder als andere, da ihre wertvollen Polyphenole nicht zwingend für unseren Organismus bioverfügbar sind. Diese Bedingung ist an einige Voraussetzungen geknüpft, die nachfolgend aufgezeigt werden.

Darüber hinaus sind Maqui-Beeren die reichste bekannte Quelle für Delphinidine. Hierbei handelt es sich um eine Unterklasse der Polyphenole.

Heute sind ca. 8.000 Polyphenole bekannt. Hierbei handelt es sich um komplexe, von den Pflanzen produzierte Phytochemikalien, die sie vor Sonnen-einstrahlung und vor Beschädigung durch Mikroben oder Bakterien schützen. Vereinfachend kann man sagen, je kräftiger die Färbung einer Frucht ist, umso höher ist deren Konzentration an Polyphenolen.

Polyphenole – mächtige Antioxidantien

Genau wie Polyphenole Pflanzen schützen, schützen sie uns in ähnlicher Weise, indem sie als Antioxidantien zur Bekämpfung von Entzündungen und zur Unterstützung der Immunität durch die Aktivierung von Schlüsselgenen dienen. Sie spielen auch eine Schlüsselrolle bei der Darmgesundheit, indem sie helfen, uns gegen schädigende Bakterien zu wehren und gleichzeitig die Produktion nützlicher Bakterien zu steigern.

Ein Dreh- und Angelpunkt unseres Stoffwechsels besteht darin, wie unsere Nahrung in komplexe lebenswichtige Signalmoleküle umgewandelt wird. Aminosäuren und Fettsäuren können in Hormone (z.B. Insulin und Resolvine) umgewandelt werden, die unseren Körper präzise steuern. Auch Polyphenole sind Teil solcher Signalsysteme. Insbesondere aktivieren sie den als AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase) bekannten genetischen Hauptschalter des Stoffwechsels, der steuert, wie wir Energie erzeugen und unseren Stoffwechsel regulieren, indem wir ihn auf zellulärer Ebene ein- und ausschalten.

Maqui-Beerenextrakte helfen nachweislich bei der Aktivierung von AMP-Kinase, die eine Schlüsselrolle im Energiehaushalt und Stoffwechsel spielt. Mittels der Aktivierung der AMPK werden beispielsweise der Appetit, der Blutzucker, der Lipidspiegel, die Entzündungsreduktion und die Reparatur von beschädigtem Gewebe kontrolliert. Je größer seine Aktivität, desto länger ist unsere Gesundheitsspanne.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Delphinidine aus gereinigten Maquiextrakten leichter in das Blut gelangen können als andere Polyphenole und somit die Aktivierung der AMP-Kinase unterstützen. Der Grund dafür ist der folgende: Polyphenole sind nicht gleich Polyphenole. Von den mehr als 8.000 bekannten Polyphenolen haben nicht alle die gleiche Fähigkeit, AMPK zu aktivieren. Der Grund ist, dass es von mehreren Faktoren abhängt, beispielsweise von deren Konzentration, Struktur oder Wasserlöslichkeit.

Konzentration: Polyphenole kommen in sehr geringen Konzentrationen in Obst und Gemüse vor; ca. 0,2 Gewichtprozent in Obst und ungefähr 0,1 Gewichtprozent in Gemüse. Da unser Organismus zur Erhaltung der Gesundheit mindestens 1.000 mg Polyphenole pro Tag benötigt, sollten wir also viel Obst und Gemüse konsumieren.

Struktur: es gibt zwei große Klassen von Polyphenolen – solche mit kondensierter Ringstruktur und solche ohne (Abb. siehe unten). Nur die als Flavonoide bekannte Polyphenolklasse mit einer kondensierten Ringstruktur bietet die geeigneten dreidimensionalen Eigenschaften, um AMPK maximal zu aktivieren.

Abb.: Polyphenole mit und ohne Ringstruktur

Die anderen Polyphenolstrukturen sind hierfür schlichtweg zu instabil. Dieser Strukturmangel gilt insbesondere auch für Resveratrol, die zu den Stilbenen zählen. Selbst innerhalb der Klasse der Polyphenole mit kondensiertem Ring, also der Flavonoide, gibt es mehrere Variationen, zum Beispiel Flavanole und Anthocyane, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Wasserlöslichkeit signifikant unterscheiden. Aufgrund ihrer positiven Ladung sind Anthocyane viel wasserlöslicher. Nur so können sie in die Blutbahn gelangen, und nur so sind sie in der Lage AMPK zu aktivieren.

Es geht noch weiter. Selbst innerhalb der Anthocyane gibt es unterschiedliche Strukturen. Ergänzend zur deren positiven Ladung erhöhen zusätzliche Hydroxylgruppen (-OH) an einem Anthocyanmolekül seine Wasserlöslichkeit zusätzlich. Diese einzigartige Struktur ist der Grund, warum die als Delphinidine bekannte Unterklasse der Anthocyane die höchste Wasserlöslichkeit aller Anthocyane aufweist.

Obwohl bunte Beeren die reichste Quelle für Anthocyane sind, sind nicht alle Beeren automatisch gute Quellen für Delphinidine. Erdbeeren sind beispielsweise reich an Anthocyanen, enthalten jedoch keine Delphinidine. Himbeeren haben eine minimale Menge an Delphinidinen, aber nicht annähernd so viel wie Blaubeeren. Selbst innerhalb der Blaubeerfamilie gibt es erhebliche Unterschiede. Nordeuropäische Heidelbeeren bzw. Bayerische Schwarzbeeren enthalten sechsmal mehr Delphinidine als Nordamerikanische Heidelbeeren. Die Maqui-Beere aus dem Süden Chiles weist im Vergleich zu Blaubeeren die 14-fache Konzentration an Delphinidinen und damit den höchsten Grad an wasserlöslichen Polyphenolen auf.

Es gilt eine weitere Hürde zu überwinden, nämlich den Polymerisationsgrad der Delphinidine in diesen natürlichen Quellen und damit die Frage:

Sind Polyphenole der Maqui-Beere bioverfügbar?

Wie gut unser Organismus Polyphenole aufnehmen und verwerten kann, hat viel zu tun mit dem Aspekt der Wasserlöslichkeit. Es hat sich gezeigt, dass die meisten Polyphenole nicht wasserlöslich und somit für uns kaum bioverfügbar sind. Die Delphinidine bilden darin eine Ausnahme, denn sie sind wasserlöslich. Wie bereits erwähnt, gelangen sie leichter ins Blut und tragen nachweislich dazu bei, einen verbesserten Blutzuckerspiegel und reduzierten oxidativen Stress zu unterstützen.

Die meisten natürlichen Delphinidine-Quellen bestehen aus Polymeren und können nicht direkt in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Daher werden sie erst im Dickdarm durch Bakterien zu kürzeren Fragmenten metabolisiert. Erst durch den Prozess der Polymerisation erhalten sie die passende verschmolzene Ringstruktur, die Voraussetzung dafür ist, dass AMPK aktiviert wird.

Aufbereitung des Maqui-Extraktes: Selbst bei der Maqui-Beere ist der absolute Gehalt an Delphinidinen als Monomere in der Frucht noch relativ gering. Durch Reinigung und Säulenchromatographie kann allerdings ein hochkonzentrierter Extrakt von Delphinidin-Monomeren gewonnen werden. Mit Hilfe der Polymerisation und einem gereinigten Maqui-Beeren-Extrakt kann ein Nahrungsergänzungsmittel produziert werden, das einen hohen Grad an bioverfügbaren Polyphenolen aufweist.

Zum Vergleich: Sie müssten ca. 4,5 kg Himbeeren konsumieren, um den gleichen absoluten Gehalt an Delphinidinen aufzunehmen, wie er in einer hochwertigen Kapsel Maqui enthalten ist. Alternativ müssten Sie 50 Gläser Rotwein trinken. Beides ist wohl nicht realistisch und letzteres unter keinen Umständen zu empfehlen!

Polyphenole zur Zellgesundheit und für Healthy Aging

Abb.: Einfluss der Polyphenole auf die Gesundheit, Quelle: Dr. Barry Sears.

Wann und weshalb ist es sinnvoll Polyphenole zu sich zu nehmen? Mit Hilfe der Polyphenole gelingt es, einen Einfluss auf die Folgen eines schädigenden Entzündungsgeschehens in unserem Organismus auszuüben. Dies erfolgt in einem dreistufigen Prozess, an deren dritter Stelle die Polyphenole die zentralen Player sind.

Doch zunächst zum ersten Schritt: durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist es möglich, die Gefahr stiller Entzündungen in unserem Körper zu mindern. Der Entzündungsmediator NK-kB wird hierbei runtergefahren. Dieser Prozess kann beispielsweise mit der ZONE-Diet angestoßen werden.

In einem zweiten Schritt können verbleibende zelluläre Entzündungen durch die Produktion ausreichender Mengen an Resolvinen mit Hilfe von Omega-3-Fettsäuren aufgelöst werden. In der dritten Phase der Entzündungsauflösung durch Ernährung und Lebensstil werden schließlich die Gewebeareale repariert, die durch die erhöhte Exposition gegenüber der zellulären Entzündung beschädigt wurden. Das wichtigste diätetisches Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind hochdosierte Polyphenole.

Als effektive Antioxidantien trägt Maqui dazu bei freie Radikale anzuwehren. Maqui trägt somit bei zur

  • Reduktion des Folgen von Oxidativen Stress
  • Funktion und Gesundheit der Zellen
  • Gesunderhaltung des Herz- Kreislaufsystems
  • Better-/ Anti-Aging

Wie bereits oben erwähnt lösen Polyphenole die sogenannte AMP-Kinase aus. Hierbei handelt es sich, vereinfacht dargestellt, um eine Reparaturfunktion für Gewebe, das durch Entzündungen geschädigt wurde. Die wasserlöslichen Delphinidinen spielen hierbei eine große Rolle im Gewebe, da es über die Blutbahn transportiert wird. Nicht wasserlösliche Polyphenole reichern sich im Darm an und können hier die AMP-Kinase anstoßen. Somit übernehmen sowohl die nicht- wie auch die wasserlöslichen Polyphenole eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der AMP-Kinase und der Reparatur von geschädigtem Gewebe. Ein regelmäßiger Verzehr von hochwertigen Maqui-Beeren Extrakt unterstützt Zellgesundheit und damit ein wirkungsvolles Healthy Aging!

Von Selkirk zu Robinson Crusoe

Zurück zur einleitenden Geschichte: Wie von Selkirk angekündigt, war die Cinque Ports wegen ihrer morschen Planken wenig später vor der kolumbianischen Küste gesunken. Die Besatzung konnte sich zwar auf die kleine Insel Malpelo retten, wurde dort jedoch von den Spaniern gefangen genommen und in Lima gefoltert und eingekerkert. Nur wenige sollten überleben.

Selkirk hingegen überlebte auf der Isla Má a Tierra bei bester physischer und psychischer Gesundheit. Er wurde nach vier Jahren Einsiedelei von einem britischen Schiff aufgelesen und kehrte nach weiteren erfolgreichen Jahren der Seefahrt als angesehener Mann nach England zurück.

Dort wurde Selkirks Vita von Daniel Defoe aufgegriffen, der schließlich 1718 seinen Bestseller „Robinson Crusoe“ veröffentlichte.

Literaturempfehlung

  • Aune D et al.: Fruit and vegetable intake and the risk of cardiovascular disease, total cancer, and all-cause mortality-a systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. Int J Epidemiol 46:1 029-1056 (2017)
  • Kimble R et al.: Dietary intake of anthocyanins and risk of cardiovascular disease: A systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Crit Rev Food Sci Nutr 59: 3032-3043 (2019)
  • Cassidy A et al.: High anthocyanin intake is associated with a reduced risk of myocardial infarction in young and middle-aged women. Circulation 127:1 88-196 (2013)
  • Schon C et al.: Bioavailability study of maqui berry extract in healthy subjects. Nutrients 10(11):1720 (2018).
  • Sears B: The Resolution Zone. The Science of the Resolution Response. 303ff. London 2020.
  • Zarrelli A: Bioactive Compounds of Aristotelia chilensis Stuntz and Their Pharmacological Effects, Current Pharmaceutical Biotechnology, 2016 / 01, 17(999).
  • McCarthy P: The Incredible Survival Story of Alexander Selkirk. How One Man Survived on a Deserted Island for Over Four Years and Inspired the Tale of Robinson Crusoe. 02 / 14, 2016

Autor: Dr. Andreas Wies, Heilpraktiker, equalance Naturheilpraxis, München 2021.