Dauerstress & Viren: ziemlich beste Freunde

Stress hat viele Gesichter

Meeting, Projektbesprechung in München, Transfer zum Flughafen, nächster Termin in Marseille. Am Abend noch TelKo mit Kollegen in San Francisco. Am Folgetag Präsentation beim Kunden, anschließend Rückflug …

Steter Stress und Eile sind nicht mehr so „en vogue“ wie noch vor wenigen Jahren. Zudem bringt die Corona-Krise eine Entschleunigung mit sich, die dergestalt keiner haben möchte. Doch der spannungsgeladene Zustand des „Stress“ verliert nicht an Bedeutung. Galten vorher Tempo und Ziele als Stressoren, sind es in Zeiten der Corona-Krise Existenzangst, Angst vor Ansteckung und Leben auf engen Raum wegen Ausgangsbeschränkungen.

Wem es nicht gelingt unterschiedlichen Stressmustern zu entkommen, der wird unter anderem übellaunig, depressiv, aggressiv und er zehrt an der eigenen Bio-Substanz, zur Freude der Viren, den Nutznießern des Stress. Wir zeigen Ihnen wie.

Eng verschaltet: Gehirn & Immunsystem

Dauerhafter Stress beeinträchtigt die Immunabwehr massiv, wegen der engen Verschaltung von Gehirn und Immunsystem. In einer akuten Stressreaktion – durch eine (empfundene) Bedrohung oder Notsituation – setzt der Körper eine erste „Abwehr-Armada“ in Gang: ausgehend vom Hypothalamus, einem zentralen Bereich unseres Gehirns, geht ein Alarmsignal über Fasern des sympathischen Nervensystems zum Neben-Nierenmark. Dieses kommt der Aufforderung ohne Zeitverzug nach und schüttet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Ein komplexer Prozess, der in Bruchteilen von Sekunden abläuft und den Körper auf Kampf oder Flucht vorbereitet:

  • Blutdruck und Herzschlagrate steigen, um die Muskeln besser mit Nährstoffen zu versorgen.
  • Die Atmung wird schneller, damit das Gehirn zur Steigerung von Reaktion und Leistung mehr Sauerstoff bekommt.
  • Stoffe werden freigesetzt, die das Schmerzempfinden mindern, und
  • es werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt, um für den Fall einer Verletzung gewappnet zu sein.
Die zweite Kaskade des Immunsystems

Die erste „Armada“ wird ergänzt durch ein zweites, verzögert einsetzendes Verteidigungssystem, die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamic-Pituitary-Adrenocortical). Abermals initiiert der Hypothalamus den Prozess, der diesmal das so genannte Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) entlässt. Dieses triggert die in der Schädelbasis gelegene Hypophyse (eine kleine Hormondrüse), welche das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) als Botenstoff aussendet. Über den Blutkreislauf gelangen die Moleküle zur Nebennierenrinde, die schließlich das Stresshormon Cortisol ausschüttet.

Dieses Hormon hat die Funktion das Immunsystem wieder in den Normalzustand zurück zu fahren. So gewährleistet Cortisol, dass die Entzündung, die durch das sympathische Nervensystem ausgelöst wurde, keinen Schaden im Organismus anrichtet. Lässt die Anspannung schnell nach – etwa das Lampenfieber, sobald die Vorstandspräsentation vorbei ist – kehrt rasch wieder Ruhe im Körper ein.

Nicht aber bei chronischem Stress: Befindet sich der Organismus im Dauerfeuer, gerät das empfindliche Netzwerk aus dem Gleichgewicht. Unter stetem Stress wird der Körper permanent mit Cortisol geflutet, mit gravierenden Folgen. Denn das Stresshormon Cortisol dämpft auf lange Sicht die Immunabwehr und verschiebt ihre natürliche Balance.

Zelluläre & Humorale Immunabwehr

Je nachdem, von welchem Typ Erreger der Organismus attackiert wird, setzt dieser verstärkt die zelluläre oder die humorale Immunabwehr in Gang.

Die zelluläre Abwehr bekämpft vor allem Viren und Krebszellen und wird durch T-Helferzellen vom Typ 1 (TH1) unterstützt. Dringen Viren beispielsweise in Zellen der Nasenschleimhaut ein, alarmieren die TH1-Zellen unter anderem natürliche Killerzellen, welche die infizierten Zellen samt Eindringlingen abtöten sollen.

Die humorale Immunantwort ist eher gegen Bakterien ausgerichtet. Gelangen diese z.B. über eine Wunde in den Körper, sorgen die T-Helfer-zellen vom Typ 2 (TH2) dafür, dass Antikörper gegen die Mikroben produziert werden.

Eine dauernde Cortisol-Ausschüttung verschiebt das Gleichgewicht dieser Systeme zu Gunsten der TH2-Zellen. Denn unter Dauerstress, wird die TH1-vermittelte Verteidigung runter- und gleichzeitig die Produktion von Antikörpern hochgefahren. Das macht uns anfälliger für virale Infektionen. Sichtbar wird dies zum Beispiel an den Bläschen des Lippenherpes, die manchmal in Phasen privater Turbulenzen sprießen. Stress und Viren verbinden sich in „trauter Freundschaft“. Die verstärkt humorale Immunantwort wiederum erhöht die Anfälligkeit für allergische Reaktionen.

Gestärkte Immunabwehr durch Stressmanagement & Resilienz

Die Medizin bzw. Immunologie kann also inzwischen sehr gut nachweisen, wie eng ein gut funktionierendes Immunsystem mit psychischem Wohlbefinden (und einem Fehlen von Dauerstress) zusammenhängt.

In Zeiten von Grippe, Erkältungskrankheiten – und jetzt ganz aktuell Corona – sollten wir also umso mehr darauf achten, unser Immunsystem in Gang zu halten, indem wir Stress & Belastungen so weit wie möglich vermeiden. Einfacher gesagt als getan – gerade jetzt, wo viele Menschen Ängste um Ihren Job oder Ihr Unternehmen haben und niemand genau weiß, wie lange diese Situation noch andauern wird. Man kann Ängste natürlich nicht einfach „wegwünschen“, aber man kann lernen, mit ihnen umzugehen und bewusst seine Aufmerksamkeit auf die Dinge im Leben richten, die nach wie vor sehr gut funktionieren und daraus Kraft und Vertrauen schöpfen. Gelungenes Stressmanagement und Resilienz sind also in den aktuellen Zeiten wichtiger denn je.

Resilienz meint den kraftvollen und flexiblen Umgang mit Veränderungssituationen, auf Basis einer konstruktiven und zuversichtlichen Grundhaltung:

  • Vertrauen auf die eigenen Ressourcen und Kompetenzen, mit der Situation zurechtzukommen.
  • Zuversicht, dass die schwierige Situation vorbei gehen und man langfristig unbeschadet und vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgehen wird.
  • Wissen darum, dass materielle und emotionale Hilfe zu Verfügung steht: von Freunden, Familie, Arbeitgebern, dem Staat etc.
  • Bereitschaft, die Schritte zu unternehmen, die gerade nötig sind, auch wenn sie schwer fallen.
  • Loslassen von illusorischen Vorstellungen und Festhalten an alten Plänen und Wünschen.
  • Annehmen der aktuellen Situation, mit all ihren Schwierigkeiten, aber auch Chancen.

Sie glauben, das kann nicht jeder? Doch. Resilienz ist eine Kompetenz, die jeder Mensch lernen kann. Was man dafür allerdings braucht, sind Bereitschaft und Wille.

„Nobody said it would be easy“

Sehen Sie zu, dass Sie die „Zeche der ziemlich besten Freunde Stress und Virus“ nicht mit Ihrer Gesundheit bezahlen, und sorgen Sie gut für Ihr Immunsystem, unter anderem durch Stressmanagement und resilientes Verhalten. Auch wenn das nicht immer leicht ist – es lohnt sich!

Vielleicht wird es Ihnen nicht sofort und nicht ganz alleine gelingen. Für diese Situationen sind wir gerne für Sie da: In der Naturheilpraxis equalance helfen wir Ihnen mental/ emotional und körperlich, mit belastenden Situationen umzugehen und Sie auf Ihrem persönlichen Weg in die Gesundheit und Balance zu begleiten.

Sprechen Sie uns an – wir sind auch in Zeiten von Corona für Sie erreichbar.

Termine werden (je nach vorliegender Situation) persönlich, via Telefon oder via Skype durchgeführt:

equalance Naturheilpraxis
Tel. 089.54 04 93 04
info@equalance.de

Literaturempfehlung
  • Murphy, Kenneth; Weaver, Casey et al: Janeway Immunologie, Berlin 2018.
  • Schubert, Christian: Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie, 2. Aufl., Stuttgart 2015.
  • Schubert, Christian; Amberger, Madeleine: Was uns krank macht – was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin. Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele besser verstehen.“Munderfing 2016.