Zentrale Effekte der Carboxytherapie

Älter als der Begriff: die Carboxytherapie

Die therapeutische Verwendung von Kohlendioxid reicht zurück ins Jahr 1932. Sie hat ihre Ursprünge in den Thermalbädern von Royat in Frankreich, wo insbesondere Gefäßerkrankungen mit CO2-haltigen Anwendungen therapiert wurden. So führte das Kohlendioxid beispielsweise bei peripheren Arteriopathien zu überzeugenden funktionellen Verbesserungen. Der Begriff Carboxytherapie wurde erst später im Rahmen des XVI. Nationalkongresses der Italienischen Gesellschaft für Ästhetischen Medizin eingeführt.

Bei der Carboxytherapie wird medizinisches Kohlendioxid (CO2) mit sehr dünnen Nadeln direkt unter die Haut verabreicht. Dabei werden insbesondere vier zentrale physiologische Interaktionen zwischen CO2 und dem Gewebe (Weitung der Arteriolen, Gefäßneubildung, Sauerstoffversorgung des Gewebes, lokaler Fettabbau), die therapeutisch genutzt und nachfolgend beschrieben werden:

1. Gefäßweitung der Arteriolen

Die Arteriolen sind maßgeblich an der Regulation des Blutflusses beteiligt. Durch Zusammenziehen (Kontraktion) und Erschlaffen (Relaxation) der Gefäßmuskulatur werden die Gefäßweiten verändert; dies bestimmt letztlich den Blutdruck und die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes im Kapillargebiet.

Bessere Versorgung infolge Gefäßerweiterung durch die Carboxytherapie

Das CO2 wirkt direkt auf die glatten Muskelzellen unserer kleinsten Arterien (terminale Arteriolen) und bewirkt deren aktive Weitung (Vasodilatation). Blut kann so besser fließen und das Gewebe wird über die darauffolgenden Kapillaren und die extrazelluläre Matrix besser versorgt.

Nach subkutaner Verabreichung von CO2 ist auf der Ebene der behandelten Gewebe selbst in einiger Entfernung von der Gasapplikation eine Verbesserung der Mikrozirkulation feststellbar. Somit ist die Basis für eine Verbesserung des Grundumsatzes und eine Vitalisierung des Gewebes geschaffen.

Infolgedessen ist die Wirkung der subkutanen Verab-reichung von CO2 sowohl bei gesunden Personen als auch bei Patienten mit peripheren Gefäßerkrankungen wirkungsvoll.

2. Gefäßneubildung

Häufig ist eine schlechte Wundheilung auf eine Sauerstoff-Unterversorgung des betroffenen Gewebe-areals zurückzuführen. Die Folge sind eine gebremste Vermehrung von wundheilungsfördernden Bindegewebszellen (Fibroblasten), eine verringerte Kollagenproduktion und eine schlechte Gefäßneubildung (Neoangionese).

Abb.: Neue Blutgefäße bilden sich aus bereits bestehenden Gefäßen (Neoangiogenese).
Neue Blutgefäße bilden sich aus bereits bestehenden Gefäßen (Neoangiogenese). Quelle: Wikipedia

Mit Hilfe der Carboxytherapie kann die Wundheilung beschleunigt werden. Die Vermehrung von Fibroblasten wird angestoßen, ebenso die daraus resultierende Produktion von Kollagen und Glykosaminoglykanen sowie die Gefäßneubildung. Histologische Studien, die vor und nach der subkutanen Verabreichung von CO2 durchgeführt wurden, zeigen neue Gefäße und eine verstärkte Blutzirkulation in den behandelten Bereichen.

3. Bessere Sauerstoffversorgung des Gewebes

Der sogenannte Bohr-Effekt beschreibt die Bindungsfähigkeit von Sauerstoff (O2) an Hämoglobin in Abhängigkeit des PH-Wertes und des Kohlendioxid-Partialdruckes. Er ist maßgeblich für den Gasaustausch in den Organen und Geweben verantwortlich.

Die lokale Sauerstoffversorgung des Gewebes wird durch Einbringung von CO2 besser (Bohr-Effekt).
Die lokale Sauerstoffversorgung des Gewebes wird durch Einbringung von CO2 besser (Bohr-Effekt).

Die Carboxytherapie hat durch das eingebrachte Kohlendioxid also direkten Einfluss auf den Bohr-Effekt beziehungsweise es ist ein wesentliches Momentum dieses physiologischen Vorgangs. Denn das CO2 diffundiert im und unter dem Hautgewebe und steigert die Sauerstoffsättigung im Blut und in den Zellen.

Haut, Muskeln und Organe werden vermehrt mit Sauerstoff versorgt. Zudem geht CO2 in Lösung und bildet Bicarbonat. Dieses ist ein zentraler Puffer im Körper, um überschüssige Säuren zu neutralisieren. Die Folge ist eine Optimierung der biochemischen Prozesse, insbesondere unter den Bedingungen einer gestörten Verteilung der Mikrozirkulation. Durch den Abbau der sauren Metabolite kommte es zu einer Linderung von mitunter schmerzhaften lokalen Entzündungsprozessen und zu einer Vitalisierung der betreffenden Areale

4. Lipolitische und lipoklasische Wirkung

Lokale Fettpölsterchen können mit der Carboxytherapie abgebaut, Gewebe kann gestrafft werden (z.B. Cellulite).
Lokale Fettpölsterchen können mit der Carboxytherapie abgebaut, Gewebe kann gestrafft werden (z.B. Cellulite).

Der lokale Abbau von Fettgewebe mit Hilfe der Carboxytherapie resultiert vor allem aus der Wirkung auf die Mikrozirkulation und die paraphysiologische Hyperoxidation. Durch die Sauerstoffanreicherung wird zunächst die Verstoffwechslung von Gewebe angestoßen. Die anschließende Lipolyse führt dann zu einer Verringerung des subkutanen Fettgewebes. Dabei ist die Carboxytherapie nicht der Schlüssel, um Fettleibigkeit zu beseitigen. Vielmehr ist sie bei bestimmten klinischen Indikationen, wie beispielsweise Dehnungsstreifen, Narbengewebe oder schlaffe Haut eine schonende Alternative lokale Fettpölsterchen abzubauen.

Anwendungen der Carboxytherapie

Dank ihrer durchblutungsfördernden Eigenschaften bei den Arteriolen und Kapillaren ist die Carboxytherapie das Mittel der Wahl bei vielen Formen der peripheren Arteriopathie oder Störungen, die durch eine Veränderung der Mikrozirkulation gekennzeichnet sind. Desweiteren bei venöser und lymphatischer Insuffizienz oder bei gestörter Windheilung, wie beispielsweise Ulcus cruris.

Das Raynaud-Syndrom, das gekennzeichnet ist durch kalte weißwerdende Finger, Hände oder Zehen ist ein klassisches Anwendungsgebiet der Carboxytherapie. Die Ursache für die abrupte Engstellung der Arterienolen (Gefäßspasmen) und die Veränderung des Kapillarnetzes liegt in einer Überreaktivität des unbewußten Nervensystems, welches für die Gefäßweit- und –engstellung verantwortlich ist.

Weitere Stärken der Carboxytherapie liegen im Bereich der Ästhetik. Dort wird sie ebenfalls seit vielen Jahren als natürliche, sichere und vielseitige Methode mit Erfolg eingesetzt. Carboxy ist wirksam bei der Behandlung von Cellulite und Dehnungsstreifen sowie bei Augenschatten oder schlaffer geschwollener Haut unterhalb der Augen. Es ist auch eine wirksame Behandlung für schlaffe Haut an Hals und Dekolleté oder. Weitere Informationen zum Einsatz der Carboxytherapie in der Ästhetik

First-Class Carboxy-Therapie

Wie bei allen Behandlungen setzen wir in der equalance Naturheilpraxis auf Qualität: So verwenden wir Laparox® Medical CO2, reines medizinisches CO2 der Linde Healthcare. Als Gerät für die Carboxy-Therapie vertrauen wir auf die patentierte Technologie des CDT der Carbossi Terapia Italiana. Hiermit können sowohl die behandlungsrelevante CO2 – Menge wie auch dessen Fließgeschwindigkeit exakt dosiert werden. Darüber hinaus wird die Temperatur des Quellgases exakt überwacht. Diese Qualitätsstandards geben die Möglichkeit uns voll und ganz auf die Behandlung zu konzentrieren.

Zusammenfassend ist die Carboxytherapie eine natürliche, schonende und dabei effektive Methode, um die oben beschriebenen Effekte zu erzielen. Falls Sie Fragen zu dieser effizienten Methode haben, so stehen wir Ihnen das Team der equalance Naturheilpraxis gerne zur Verfügung.

Literatur: Carboxytherapie

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